Zehn Menschen - verschiedenen Alters, Herkunft und Geschlecht stehen nebeneinander und geben sich die Hand.

„Museum als Sprachlabor“ - Deutsch lernen mit Kunst und Kultur

20.04.18

Foto: Caritas

Als eine Welt der Sprache haben sich Grazer Museen für die TeilnehmerInnen an Deutschkursen der Caritas Akademie aufgetan. In enger Kooperation mit der Stabstelle für Inklusion und Partizipation am Universalmuseum Joanneum wurden die SprachtrainerInnen in das aktuelle Angebot an Ausstellungen eingeführt und dazu eingeladen, Museumsräume auch als Klassenzimmer für den Deutschunterricht zu nutzen. Der Erfolg dieser Initiative ist auf den Sprachunterricht bezogen zweifellos ein „Historischer“.   

Die TeilnehmerInnen unseres C1-Kurses haben bei einem Besuch im  Volkskundemuseum ihre Gedankenwanderungen zu Papier gebracht und laden dazu ein, ihren Pfaden und Entdeckungen zu folgen.

 

F. A., Syrien:

"Heute habe ich mit meinen Freunden das Volkskundemuseum besucht, wo wir viele Gegenstände besichtigt haben. Eine von diesen Sachen war die Rauchstube, die mich mehr als dreißig Jahre zurückgebracht hat. Damals hatten wir den gleichen Raum, der keine technischen Apparate hatte, nicht einmal Licht. Meine Mutter würde jeden Tag dorthin gehen, putzen, aufräumen. Dann kam der Rest der Familie und saß rund um den Kamin. Die Mutter hatte schon etwas zum Essen gemacht. Außerdem hatten wir eine Getreidemühle, mit der wir den Grieß, das Mehl machen konnten.

Vor dem Raum hatten wir eine große Fläche, wo man alles, wie zum Beispiel Tomaten, Zwiebel, … anbauen konnte. Ich habe meinen Eltern viel geholfen, das Holz zu schneiden, das Mehl zu machen. Dann konnte meine Mutter das Brot backen.

Die Rauchstube hat mir sehr gefallen, vielleicht weil ich im gleichen Raum wie sie gelebt habe. Die anderen Menschen, die von anderen Generationen stammen, finden das ganz schwer und wollen nicht in einer Rauchstube leben. Sie fragen sich auch, wie man früher ohne das, was wir heute haben, leben konnte.

Zwar finde ich das Leben früher schöner und einfacher aber trotzdem musste man sich entwickeln, weil die Zeit sehr schnell verläuft und alles in Bewegung ist."

 

D. K., Kambodscha:

"Was braucht man zum Schlafen? Oder wo schläft man im Schlafzimmer? Ein Bett. Auf dem Bett. Das Bett hat viele Funktionen. Man kann das Bett zum Schlafen, Rasten oder Hinlegen benutzen. Das Bett kann auch viele Geschichten davon erzählen. Man schläft. Man träumt.

Von der Ausstellungstour lernt man, dass das Bett nur aus Holz gemacht wurde. Damals wurde das Bett nicht aus verschiedenen Materialien wie heute gemacht. Die Größe des Bettes spielte auch eine Rolle in der Bettproduktion damals und heute. Das Bett der Vergangenheit war kleiner als das Bett in der Gegenwart. Außerdem sind Betten im 1800 oder 1900 mit Dekoration geschmückt. Man sieht einen Vorhang aus Holz oder Leinen dekoriert.

Also, persönlich hat das Bett viele Bedeutungen für die Menschen damals und interessanterweise wurde das Bett damals nur aus Holz gemacht. Jedoch heutzutage erzählt das Bett von vielen Menschen nicht so viele Geschichten wie damals. Das Bett bettet viele Dinge davon ein!"

 

L. A., Irak:

"In meiner Kindheit wurden mir oft Geschichten von den Eltern vorgelesen. Darüber hinaus las ich in der Schule ganz viel über die Epochen. Das stellte ich mir immer so vor, dass die Menschen, die früher lebten, anders als wir waren. Aber warum? Weil ich eventuell nur die Fotos, in denen diese Leute komisch aussehen und deren Gegenstände altmodisch waren, deren Kleidung schlampig war, ansah. Als ich heute in die Stube hineingegangen bin, habe ich mich gleich an die Geschichten, die mir von der Familie überliefert und uns vermittelt wurden, gedacht. Außerdem habe ich an mein Kind gedacht, nachdem ich die Gehschule angeschaut habe. Denn wir haben zuhause auch eine, aber sicher ein neues Modell.

Was noch auffällig ist, ist der Kinspan. Ich habe das interessant gefunden, weil sie wahrscheinlich alles versuchten, zu beleuchten. Hinzu kommt, dass die Fenster zu klein im Vergleich zu den heutigen Gegenständen sind. Es gibt unter anderem mehrere Dinge, die einem ins Bewusstsein kommen. Letztlich kann man einfach bemerken, wie es mit uns bergauf geht. Man soll auch herausstreichen, dass wir trotz der Bredouille des Lebens gegenwärtig ein besseres Leben führen."  

 

O.T., Irak:

Wohnen damals und heute ist eine spannende Zeitreise. Wie haben eigentlich die Menschen früher gewohnt? Wie hat sich das Wohnen im Laufe der Zeit verändert?

Im frühen Mittelalter lebten die Menschen in Hütten aus Lehm und Holz. In dieser Zeit war es völlig normal, mit 5, 6 oder 7 Personen in einem kleinen Raum zu wohnen. Es heißt, dass schon drei Generationen unter einem Dach lebten. Außerdem gab es keine Privatsphäre in frühen Epochen, das kann man vergessen. In diesem Zeitalter war das Hausheizen ganz anders im Vergleich zu heute. Um in der Lehmhütte warm zu machen, wurde einfach ein offenes Feuer entzündet. Allerdings besaßen die Menschen nicht viele Gegenstände, heute kommen auf zwei Personen von der Familie tausende Gegenstände.

Wenn man das frühere Leben mit dem aktuellen Leben vergleicht, fällt deutlich auf, dass der Boden nur aus gestampfter Erde bestand. Teppich und Parkettboden waren den Menschen nicht bekannt. Heute leben die Menschen sehr angenehm mit Fußbodenheizung, Möbeln und schön ausgemalten Wänden. Ich kann es mir nicht vorstellen, ein solches Leben zu haben, wo da die Menschen von 6, 7 Personen auf engstem Raum wohnten, weil mir persönlich die Privatsphäre sehr und ganz wichtig ist."

 

N.B., Algerien:

"Es war mir eine große Freude, die Chance zu bekommen, das Volkskundemuseum Graz außerhalb seiner Öffnungszeiten zu besuchen.

Von der Freundlichkeit der Gästeführerin bis hin zu der Erklärung war es ein Erlebnisfaktor für uns, in einer Fremdsprache über das Leben der Einheimischen damals zu schreiben.

Jeder von uns wusste, dass die Menschen damals ein einfaches Leben führten, mit wenigen selbstgemachten Gegenständen, die meistens aus Holz oder Metall waren. Aber als ich in der Rauchstube saß, war mir klar, dass der Mensch früher hart arbeiten musste, um zu überleben. Von unserem modernen, gemütlichen Leben fehlte jede Spur.

In einer kleinen Rauchstube wurde gewohnt, geschlafen, gekocht und Tiere wurden gezüchtet. Die Finsternis, die Kälte, die kleinen Fenster, der Holzboden und die dunklen Wände spiegeln den Lebensstandard des früheren Menschen. Damals teilte sich die Familie alles, es wurde gemeinsam von einer Schüssel gegessen, auf einem Bett in einer Sitzposition geschlafen und auch in dem selben Raum gebadet. Der Mensch von damals verfügte über keine Privatsphäre. Heizen und Hygiene waren nicht so einfach und selbstverständlich wie wir es heute gewohnt sind. Unsere modernen Mehrraumwohnungen lassen viel mehr Platz für die Individualität und Privatheit zu.

Heute haben wir hochwertige, gute Betten, die für einen erholsamen Schlaf sorgen. Heute hat das Bett mehrere Teile, eine Matratze, einen Lattenrost, mehrere Kissen und eine dicke Decke, aber keinen Betthimmel, den der Mensch damals als Schutz betrachtete.

Früher schätzten die Menschen ihre Gegenstände mehr, indem sie sie reparierten und gut aufbewahrten, weil in jedem Möbelstück oder jedem kleinen Küchengerät viel Arbeit steckte. Heutzutage bemühen wir uns, unsere Gegenstände nicht zu reparieren und stattdessen werfen wir viel weg und kaufen Neues, weil wir einfach alles günstig vom Markt und bequem nach Hause zugeschickt bekommen.

Ich bin der Meinung, dass wir gelegentlich das Museum besuchen müssen, damit wir lernen, wie wir mit unseren kostbaren Sachen umgehen sollen und nie vergessen, dass das, was wir uns heute gönnen, ein Ergebnis von einem langen schwierigen Prozess ist."

 

R. Z., Ägypten:

"Erfindungen entstehen aus unseren Bedürfnissen heraus, unsere Gegenstände werden sich immer entwickeln. Aber heute habe ich entdeckt, dass wir noch alte Dinge benutzen wie Milchkocher. Ich besitze noch den gleichen Milchkocher und die gleiche Mundharmonika, die ich heute im Museum gesehen habe. Ich war auch überrascht, als ich eine genähte Puppe gesehen habe, weil meine Mutter mir eine genäht hat, als ich ein Kind war.

Im Gegensatz dazu habe ich viele Dinge zum ersten Mal in meinem Leben gesehen; zum Beispiel das Hausmodell „Rauchstube“, in dem man sehen kann, dass das Leben eigentlich schlicht war und die Leute haben im selben Raum gegessen, geschlafen und gekocht. Außerdem haben die Kinder über dem Ofen geschlafen. Von der Gehschule war ich wirklich beeindruckt. Die Leute dieser Zeit waren eigentlich kreativ. Beim Anschauen der Fotos bemerkt man, dass es nicht einfach war, diese Fortschritte, die wir heute haben, zu erreichen, z.B. die Rettung und die Krankenhäuser.

Es war wirklich so interessant, die Gemälde zu sehen. Es drückt aus, dass die Leute dieser Ära einen besonderen Glauben hatten und sie immer gebetet haben, wenn sie Krankheiten hatten. Wie grandios war ihr Glaube!"